Montag, Oktober 30, 2006

Libanon-Einsatz 1. Teil: Schiffe Versenken im Mittelmeer

..."Die Bundesrepublik schickt 1500 Soldaten ins Mittelmeer, sie sollen vor der Küste des Libanon geschmuggelte Waffen, bestimmt für die radikal-islamische Hisbollah, abfangen." Und, schreibt die Reporterin, "man könnte fast lachen über dieses Szenario, das zeitweilig wirkt wie absurdes Theater."

Nun, es ist ein absurdes Theater. Denn:

Die Waffen für die Hisbollah kommen gar nicht auf dem Seeweg, sondern auf dem Landweg in den Libanon. Und wenn doch welche über den Seeweg kommen sollten, darf die Bundeswehr die Waffen gar nicht beschlagnahmen, sagte jedenfalls Report München am 9. Oktober 2006.


Kein Witz: Auf die Frage: „Mal angenommen, sie finden Waffen auf einem Schiff, das Sie durchsucht haben. Was machen Sie dann, wie geht es weiter?“, antwortete Fregattenkapitän Baldur Bardischewski einem Journalisten von Report München: „Das sind Fragen, die offen sind, weswegen wir jetzt auslaufen, um vor Ort mit den libanesischen Behörden, die es zu unterstützen gilt und denen, die bisher dort stationiert sind, genau diese Fragestellungen zu klären. Es gibt dann noch einige Fragen, die offen sind, und die müssen jetzt angegangen werden, bevor wir dort unseren Auftrag übernehmen können.“

Soso. Und "Was passiert eigentlich", stellte Report München die naheliegende Frage, "wenn die deutsche Marine bei Kontrollen tatsächlich Waffen findet?"
„Wenn wir da Verdacht haben," antwortete Kaptän zur See Dirk Koch, "dann müssen wir sehen, wie wir mit diesem Verdacht umgehen..."

Hier einige Vorschläge:
* beleidigt gucken
* verschnupft hüsteln
* doll schimpfen

Also: In Wirklichkeit gibt es vor der Küste des Libanon für die Bundesmarine keinen Haufen Waffen zu beschlagnahmen. Und wenn doch, dann dürfen die Deutschen das überhaupt nicht. Sie dürfen die Waffen, sagen wir: nur mit Nachdruck besichtigen. Schließlich will doch kein Mensch, daß der Nachschub für die Hisbollah, sollte ein Teil davon wirklich über See abgewickelt werden, wirklich gestoppt wird. Immerhin wird die Hisbollah noch als Feindbild und Kriegsgrund gebraucht.

In Wirklichkeit gibt es vor der Küste des Libanon keine Waffen zu beschlagnahmen, sondern einen Haufen Fragen zu klären. Irgendwie müssen sich vor dieser Küste in den letzten Jahren soviele Fragen angesammelt haben, daß man gleich acht Schiffe und bis zu 2.500 Mann Besatzung braucht, um sie aus dem Weg zu räumen. Sozusagen so eine Art Fragen-Zerstörer bzw. -Fregatten, was sich da auf den Weg gemacht hat...

(...)

..Am Mittwoch, dem 25. Oktober 2006, seien plötzlich sechs israelische Kampfjets in 500 Metern Höhe über die Köpfe der Besatzung des Flottendienstbootes "Alster" hinweggedonnert, schrieb die Sächsische Zeitung online am 28. Oktober: "Vom Flottendienstboot der deutschen Marine aus wurden mit hochauflösenden Kameras Bilder der israelischen Flugzeuge gemacht. Der Abwurf zweier 'Wärmetäuschkörper' zur Raketenabwehr ist ebenso dokumentiert wie die Abgabe zweier Schüsse aus der Bordkanone eines Jägers vom Typ F 16."

Aber warum gerade die Alster? Nun, die Flottendienstboote der OSTE-Klasse, zu denen die Alster gehört, "sind als hocheffiziente Frühwarn-, Fernmelde- und Aufklärungseinheiten konzipiert", heißt es bei der Bundesmarine. "Sie sind mit hochmodernen, elektromagnetischen, hydroakustischen und elektro-optischen Ortungsgeräten ausgestattet und sind in der Vergangenheit bereits mehrfach mit großem Erfolg für Aufgaben der strategischen Informationsgewinnung in Krisengebieten eingesetzt worden." Und dieses Schiff ist nicht etwa Teil des "angeforderten" UNO-Flottenverbandes, sondern wurde von den Deutschen auf eigene Faust mitgeschickt, und zwar „zum Schutz unserer Schiffe“, so ein Sprecher von Kriegsminister Franz Josef Jung. Eine weise Entscheidung, die man von dem Mann gar nicht mehr erwartet hätte. Da die Alster nur in internationalen Gewässern operieren sollte, brauchten die Deutschen Niemandes Genehmigung für den Einsatz des Aufklärungsschiffes. Die Alster ist also Auge und Ohr des UNO-Flottenverbandes, dessen Hauptteil die deutschen Schiffe sind. Die Alster verfügt für die Drehbuchautoren dessen, was demnächst in diesem Gebiet ablaufen soll, über zwei unangenehme Eigenschaften:

1. Aufklärung und Frühwarnung
2. Beobachtung, Dokumentation und Beweissicherung

Ein unbequemer Zeuge also? Soll die Bundesmarine lieber blind und taub vor der libanesischen Küste dümpeln und von dem, was unvermeidlich kommen wird, kalt erwischt werden? Ohne für den wahren Ablauf hinterher irgendwelche Beweise zu haben?



quelle: gerhard-wisnewski.de

Weitere Links zum Thema:
- Deutsche Kriegsschiffe - Im Visier der Israelis (n-tv)
- Video belegt deutsche Darstellung (tagesspiegel)
- Israel berichtigt Darstellung von Marine-Vorfall (netzeitung)
- Israelischer Jagdbomber bedrängt erneut deutschen Hubschrauber (spiegel)